ADA & Jadie Hill in TANZ Magazin

Photos by Kathy Datsky
Text by Katrin Bettina Müller




Tanz Magazine is Europe's biggest and most respected ballet and dance magazine, based in Berlin (Germany).
In New Westminster (Vancouver, Canada) the dancer Jadie Hill, shot by photographer Kathy Datsky created an experimental performance with ADA and shoot this summer in the New Media Gallery exhibition POPart. They created the shoot with no thought of an audience - they were just two young women with very creative ideas about how they could interact with a work of contemporary art and document this process.



















Karina Smigla-Bobinskis schwebende Skulptur ist ein Spielball des Tanzes. Benannt nach der Erfinderin der Programmiersprachen, Ada Lovelace, entfaltet sie als Gegenüber unberechenbare Energie. Verführerisch leicht, so sieht das Spiel aus, zu dem ADA einlädt. Mit den Fingerspitzen scheint es möglich, diesen mit Helium gefüllten Ballon zu bewegen. Wer nach den Kohlestiften greift, die wie Stacheln aus seiner transparenten Haut herausstehen, bekommt schwarze Hände. ADA leistet wenig Widerstand, schwebt hierhin, schwebt dorthin, hüpft hoch, senkt sich herab, ein sanfter Tanzpartner.


Dicht und komplex aber sind die Spuren, die das Spiel hinterlässt. Denn Widerstand leisten die Wände, der Boden, auf den der Ballon aufkommt und von dem er sich wieder abstößt, schließlich die Decke des Raums, in dem die Skulptur von Karina Smigla-Bobinski ihren Auftritt hat. Ein Punkt, den der Kohlestift hinterlässt, hier und dort zuerst, ein Kringel, eine Linie, manchmal ein von einem Besucher kraftvoll gesteuerter Kreis, dann wieder nur ein Wischer, der dem Lufthauch, dem Zufall geschuldet scheint: All das überlagert sich im Lauf der Zeit an Wänden, Decke und auf dem Boden und wird zu einem Protokoll der Bewegungen.

So machen der Raum und der Ballon, die Begrenzung und das frei Bewegliche zusammen diese Installation aus. Hinzu kommt die Zeit, die Dauer des Auftritts, mit der Smigla-Bobinskis Objekt eben auch zur Performance wird. Unkontrollierbar ist für jeden einzelnen Teilnehmer, was am Ende entsteht. Und doch ist die Zeichnung an der Wand auch kalkuliert, das bezeichnete Feld durch die Raumgrenzen vorgegeben.
ADA hat auch etwas von einem Globus, einer Weltkugel. Und ist tatsächlich seit einigen Jahren weltweit unterwegs. In London, in São Paulo und Belo Horizonte, im Silicon Valley, in Moskau, Slowenien und Japan war die interaktive Installation zu sehen, oft mit großer Begeisterung berührt und beobachtet.

Eine «post-digital drawing machine» zu sein, gibt Karina Smigla-Bobinski ADA als Kennzeichnung mit. Ende der 1950er-Jahre entwickelte der Schweizer Künstler Jean Tinguely die bis heute bekanntesten Zeichenmaschinen. In seinen «Métamatic» warf man Geld ein wie in einen Automaten, ratternd sprang die Mechanik an und zeichnete vielarmig auf ein Blatt Papier, während am anderen Ende der Arme Scheiben und Segel aus Metall auf und nieder schwenkten. Deren spielerische, tänzerische Bewegung war der Clou, die Zeichnung, die man mitnehmen durfte, zweitrangig. Tinguely öffnete damit den Prozess der Kunstproduktion, lud zur Teilnahme ein, eine demokratische und befreiende Geste, die am Beginn einer langen Geschichte der Selbstreflexion der Künste stand.

Auch Choreografen haben schon Bewegungsprotokolle erzeugt, wie ADA sie hinterlässt. Für «Human Writes» ließ William Forsythe vor zehn Jahren Tänzer an Zeichentischen arbeiten, mit Kohlestiften an Händen, Füßen und anderen Gliedern. Sie beschäftigten sich mit den Buchstaben des Textes zur Erklärung der Menschenrechte, schrieben und zeichneten auf die Tische mit ganzem Körpereinsatz. So tritt ADA in einer Tradition der Berührung und Durchdringung von bildender Kunst und Performance auf.

An jedem Ausstellungsort beginnt ADA von vorn, in einem leeren, weißen Raum. Die Geschichte wird auf null gestellt, alles ist möglich. Auch den Atem anzuhalten und den Moment hinauszuzögern, wieder aufs Neue die Fäden des Lebens dicht zu verweben. Ein Augenblick von Erhabenheit.